Wiesbadener Fototage – Voba-Preis 2009

Das Wiesbadener Publikum hat entschieden: Etwa 2000 Festivalbesucher haben ihre Stimme abgegeben. Timo Wilke ist mit zwei Stimmen vor dem italienischen Fotograf Roberto Kusterle als beste foto- grafische Position zum Thema der inszenierten Fotografie gewählt worden.

Timo Wilke: Geboren 1979 in Kiel, 2001 – 2004 Ausbildung zum Mediengestalter für Digital- und Printmedien, WS 2005/06 Studium, Kommunikationsdesign B.A. an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel, SS 2009 Studiumsbeginn, Kommunikationsdesign M.A. an der Muthesius Kunsthochschule Kiel

Virtuelle Welten und Mode

Inszenierte Fotografien sind durch die Entwicklung in der digitalen Bildbearbeitung in ihren Darstellungsmöglichkeiten um ein Vielfaches erweitert worden. Die Genauigkeit, mit der auf das digitale Bildmaterial Einfluss genommen werden kann, ermöglicht selbst größere Eingriffe ohne die fotografische Optik zu verlieren.

Dadurch kann der Glaube an die Repräsentanz der Realität – wie er für den Gebrauch der Fotografie so typisch ist – selbst bei digitalen Kompositionen bei Bedarf aufrecht erhalten werden. Das spielt in den Motiven von Timo Wilke eine wichtige Rolle. Unwirkliche, teilweise traumhaft anmutende Bilder, in denen physikalische Gesetzte außer Kraft gesetzt scheinen, paaren sich mit Anspielungen auf die Beweiskraft der analogen Fotografie.

 

15.06.2009

Multimediale Fotografie / Technisches Bild

Bevor wir zum Schwerpunkt der Fotografie kommen, dazu also, wodurch sich die Lehre in Kiel von der anderer Hochschulen unterscheidet, soll herausgestellt werden, dass sie auf der Tradition des Mediums basiert. In den ersten Semestern werden die Studierenden deshalb mit analoger Technik vertraut gemacht. Darunter fallen etwa der Umgang mit Kameras, vor allem solcher, die in ihren Leistungen von der digitalen Fotografie noch nicht zu ersetzen sind, aber auch die Arbeit in s/w- und Farblaboren. Mit den technischen Übungen sind Aufgaben in inszenierter und narrativer Fotografie verbunden. Bei ihrer Umsetzung gehen die Studierenden von der sichtbaren Realität vor der Kamera aus, so wie das für mehr als 150 Jahre in der Fotografie selbstverständlich und unumgänglich war. Geschichtsunterricht führt ihnen darüber hinaus den Gebrauch des Mediums in dieser Zeit vor Augen und macht zudem auf herausragende Einzelleistungen aufmerksam.

Auf der Grundlage des Digitalen wächst die Fotografie derzeit mit anderen Medien zusammen. Mit Fotoapparaten kann man, um ein Beispiel zu nennen, heute auch Videoaufnahmen produzieren. Dazu kommen die Programme, die nicht in die Kameras integriert sind, für die man Computer braucht und Rechenkapazität. Fotografien lassen sich dort beliebig verändern. Man kann sie beispielsweise miteinander kombinieren oder in ihnen Effekte erzeugen, die bisher nur aus Malerei und Grafik bekannt sind. Fotografische Informationen können bereits in die dritte Dimension hinein gerechnet werden, und die auf diese Weise entstandenen virtuellen Körper lassen sich als Plastiken ausgeben. Ganz offensichtlich ist das Medium Teil eines expandierenden Medienkomplexes geworden. An dieser Stelle führen wir den Begriff des Technischen Bildes ein. Er umfasst alles Bildliche, das im Kontext von Apparaten und Programmen möglich ist, somit eben auch die Fotografie. Das Technische Bild ist nicht mehr, wie noch die analoge Fotografie, in der physischen Welt verankert. Es kann sich dort bedienen, bietet aber eben auch den Zugang zur Virtualität, zu Simulation und Animation.

An der Muthesius Kunsthochschule versuchen wir die Entwicklungen des Technischen Bildes kritisch zu begleiten, in den Konsequenzen zu verstehen und mitzugestalten. Das ist es, was wir als Schwerpunkt der Lehre bezeichnen möchten. Der medialen Expansion folgend, bieten wir Programmunterricht in Photoshop, Final-Cut und Cinema-4D an, stellen digitale Labore zur Verfügung, arbeiten mit einem 3D-Scanner und einer CAD gesteuerten Ausgabemöglichkeit. Nach wie vor fördern wir das Interesse am stehenden Bild, aber nun eben auch das an der filmischen Abfolge und an Ton und Text, die damit zu verbinden sind. Zudem unterstützen wir Projekte, die sich mit der virtuellen Realität und den Erscheinungen auseinander setzen, die möglich werden, weil die Welten durchlässig sind, ineinander übergehen können. Die Wahl der Themen liegt in der Hand der Studierenden. Sie erforschen sich und ihr Verhältnis zu den Welten und geben dem in ihren Arbeiten Ausdruck.

Fragen?

Prof. Peter Hendricks
0431 – 5198-435, hendricks@muthesius.de