„Junge Fotografie“ in Rendsburg: Sonderausstellung

Junge Fotografie – aktuelle Arbeiten aus der Muthesius Kunsthochschule in Rendsburg!

„In Rendsburg sind sowohl Abschlussarbeiten als auch Semesterleistungen aus dem Studiengang Kommunikationsdesign zu sehen“, so Fotografieprofessor Peter Hendricks. Er wählte für diese Leistungsschau Arbeiten der Muthesianer Jule Bräu, Lisa Fischbach, Annabelle Fürstenau, Bianca Kurzhöfer, Till Lichten- berger, Gerd Oeser, Christian Schwarz, Maxim Schulz, Stefan Vorbeck, Jana Wellendorf, Sven Wied und Timo Wilke aus.

Sie nutzten neue mediale Möglichkeiten in ihrer Fotografie: Sven Wied zeigt mathematisch generierte „Morphingportraits“, Jana Wellendorf arbeitete mit Körperscannern und kommt so zu plastischen idealisierten Darstellungen. Fotografische Inszenierungen von Bianca Kurzhöfer, Fotofilme von Christian Schwarz und weitere Perlen studentischer Fotografie sind bis Januar in Rendsburg zu sehen. Zur Eröffnung gibt Björn Engholm eine Einführung, Prof. P. Hendricks bietet eine wissenschaftliche Führung durch die Ausstellung an.

Seit 2001 beschäftigt sich eine Ausstellungsreihe im Druckmuseum im Kulturzentrum Rendsburg mit der Vorstellung verschiedener graphischer Techniken.

„Nachdem wir die klassischen Themen vom Siebdruck bis zur Radierung abgearbeitet haben, ist es ein konsequenter Schritt, sich der Fotografie als Teil der zeitgenössischen Medienlandschaft zuzuwenden“, so Museumsleiter Martin Westphal – und zeigt unter dem Titel Junge Fotografie zwölf Positionen von Studierenden der Muthesius Kunsthochschule.

Die Arbeiten gehen spielerisch mit einem Medium um, dessen Möglichkeiten im Zeitalter der Digitalisierung kontinuierlich wachsen und verweisen augenzwinkernd auf die Wahrnehmungsprobleme, die sich ergeben, wenn Aufnahmen etwa mithilfe externer Programme beliebig verändert werden können, ohne dass der Betrachter diese Manipulation wahrnimmt. „Das Zauberwort der Ausstellung heißt „mediale Reflexion“, so Peter Hendricks. Den Ausstellungsort inmitten der historischen Druckmaschinen bezeichnet der Professor für Fotografie als „liebenswert“, präsentiere sich das Medium hier schließlich im Rahmen seines historischen Kontextes.

 

Ich sehe was, was es nicht gibt

Ein Foto mag ein Kunstwerk sein, aber es bildet immer noch die Wirklichkeit ab. Wirklich? Bei heutiger Fototechnik kann man sich dessen nicht mehr sicher sein! Ein Gesicht kann auf dem Computer so verändert werden, dass es mit der fotografierten Person nichts mehr zu tun hat und dennoch wie echt aussieht. Zugleich mit den Möglichkeiten der Verfälschung tun sich aber auch die der künstlerischen Gestaltung auf. Elf Studenten der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel beweisen dies mit einer Ausstellung ihrer Werke – meist Diplomarbeiten – im Norddeutschen Druckmuseum im Rendsburger Arsenal.

Gleich beim Eingang sind fünf großformatige Portraits zu sehen von Frauen, „die es nicht gibt“. Sven Wied hat dafür ein reales Gesicht in fünf andere „umgerechnet“. Zu erkennen ist dies nicht. Bianca Kurzhöfer hat in Fotos, die von einer Klassenfahrt stammen, die echten Mitschüler durch Models und ihre Kleidung durch Modekleidung ersetzt, die aus dem Internet stammen: Die „Immerschönen“ geben ihre Show nun in einer banalen Umgebung.

Bei Timo Wilke sind es die räumlichen Dimensionen, die absurd werden – darin ähnlich den das Gehirn verwirrenden Zeichnungen von M. C. Escher: Eine Frau schminkt ihr Spiegelbild, zieht das Pflaster eines Hofes wie einen Teppich ab oder zerreißt mit eigener Hand das Fotopapier, auf dem sie selbst abgebildet ist – dies ist auch das Motiv des Ausstellungsplakates. Doch anders als bei Escher suggeriert hier die Fototechnik, dass „echt“ ist, was unmöglich sein kann.

Damit stellt der Künstler eine „mediale Reflexion“ an, wie es Professor Peter Hendricks aus- drückt, der die Studenten und die Ausstellung betreut: „Wenn Bilder, die aussehen wie Fotografien, genau so gut Kalkulationen sein können, wird es zum Problem, die Bedeutung der Bilder gegeneinander abzugrenzen. Wir versuchen, auf diese Probleme in den Arbeiten selber hinzuweisen.“

Dass diese nun inmitten historischer Druckmaschinen ausgestellt sind, ist für Hendricks durch- aus passend: „Die technischen Möglichkeiten der Fotografie explodieren in alle Richtungen, dasselbe Schicksal hat die Druckerei im 20. Jahrhundert auch durchlebt.“
Das beste Bespiel für diese technische Revolution sind die alabasterfarbenen Figürchen in der Vitrine. Es sind weder Porzellanartefakte noch Elfenbeinschnitzereien, sondern ebenfalls – dreidimensionale – Fotografien. Dazu hat Jana Wellendorf die Körperdaten von Freunden und Verwandten in den entsprechenden Posen eingescannt. Ein spezieller Drucker druckt sodann einen Kunststofffaden aus, der sich in entsprechender Anordnung aufschichtet. Für eine Figur braucht er dazu eine ganze Nacht.

Diese Ausstellung sei ein Experiment, das man jetzt zum 20-jährigen Jubiläum einmal gewagt habe, sagte Klaus Kraft, Initiator der Ausstellung und Gründer dieses Norddeutschen Druckmuseums, bei der Ausstellungseröffnung. Björn Engholm, dem ehemaligen Ministerpräsidenten, fiel dabei die Rolle zu, als gelernter Schriftsetzer die Druckvorgänge zu erklären, was bei dieser Ausstellung allerdings auch dem Fachmann nicht leicht fiel. Die Welt der bildgestützten Medien beherrsche unser Leben in einem unvorstellbaren Ausmaß, betonte er. Heute sei kein Arbeitsplatz denkbar ohne PC und Internet. Wegbereiter dieser modernen Technologie sei die Fotografie, insbesondere deren letzte Stufe, die digitale Fotografie, die alles bisher Dagewesene ersetzt habe. Dennoch habe es lange, bis Ende der 1980er Jahre gedauert, bis sie den Rang als Kunst und die Sphäre der Ästhetik erreicht habe. Gründe liegen nach Engholms Auffassung darin, dass Fotografieren Teil der Technik ist, und Technik gelte in unserer humanistischen Gesellschaft als trivial. Auch gäbe es keinen objektiven Maßstab für die Beurteilung.

(Text: Erich Thiesen)

Ort: Museen im Kulturzentrum, Arsenalstraße 2 10, 24768 Rendsburg

 

06.11.2009

Multimediale Fotografie / Technisches Bild

Bevor wir zum Schwerpunkt der Fotografie kommen, dazu also, wodurch sich die Lehre in Kiel von der anderer Hochschulen unterscheidet, soll herausgestellt werden, dass sie auf der Tradition des Mediums basiert. In den ersten Semestern werden die Studierenden deshalb mit analoger Technik vertraut gemacht. Darunter fallen etwa der Umgang mit Kameras, vor allem solcher, die in ihren Leistungen von der digitalen Fotografie noch nicht zu ersetzen sind, aber auch die Arbeit in s/w- und Farblaboren. Mit den technischen Übungen sind Aufgaben in inszenierter und narrativer Fotografie verbunden. Bei ihrer Umsetzung gehen die Studierenden von der sichtbaren Realität vor der Kamera aus, so wie das für mehr als 150 Jahre in der Fotografie selbstverständlich und unumgänglich war. Geschichtsunterricht führt ihnen darüber hinaus den Gebrauch des Mediums in dieser Zeit vor Augen und macht zudem auf herausragende Einzelleistungen aufmerksam.

Auf der Grundlage des Digitalen wächst die Fotografie derzeit mit anderen Medien zusammen. Mit Fotoapparaten kann man, um ein Beispiel zu nennen, heute auch Videoaufnahmen produzieren. Dazu kommen die Programme, die nicht in die Kameras integriert sind, für die man Computer braucht und Rechenkapazität. Fotografien lassen sich dort beliebig verändern. Man kann sie beispielsweise miteinander kombinieren oder in ihnen Effekte erzeugen, die bisher nur aus Malerei und Grafik bekannt sind. Fotografische Informationen können bereits in die dritte Dimension hinein gerechnet werden, und die auf diese Weise entstandenen virtuellen Körper lassen sich als Plastiken ausgeben. Ganz offensichtlich ist das Medium Teil eines expandierenden Medienkomplexes geworden. An dieser Stelle führen wir den Begriff des Technischen Bildes ein. Er umfasst alles Bildliche, das im Kontext von Apparaten und Programmen möglich ist, somit eben auch die Fotografie. Das Technische Bild ist nicht mehr, wie noch die analoge Fotografie, in der physischen Welt verankert. Es kann sich dort bedienen, bietet aber eben auch den Zugang zur Virtualität, zu Simulation und Animation.

An der Muthesius Kunsthochschule versuchen wir die Entwicklungen des Technischen Bildes kritisch zu begleiten, in den Konsequenzen zu verstehen und mitzugestalten. Das ist es, was wir als Schwerpunkt der Lehre bezeichnen möchten. Der medialen Expansion folgend, bieten wir Programmunterricht in Photoshop, Final-Cut und Cinema-4D an, stellen digitale Labore zur Verfügung, arbeiten mit einem 3D-Scanner und einer CAD gesteuerten Ausgabemöglichkeit. Nach wie vor fördern wir das Interesse am stehenden Bild, aber nun eben auch das an der filmischen Abfolge und an Ton und Text, die damit zu verbinden sind. Zudem unterstützen wir Projekte, die sich mit der virtuellen Realität und den Erscheinungen auseinander setzen, die möglich werden, weil die Welten durchlässig sind, ineinander übergehen können. Die Wahl der Themen liegt in der Hand der Studierenden. Sie erforschen sich und ihr Verhältnis zu den Welten und geben dem in ihren Arbeiten Ausdruck.

Fragen?

Prof. Peter Hendricks
0431 – 5198-435, hendricks@muthesius.de