„Körpersichten“

„Körpersichten“ 

Die Muthesius Kunsthochschule lädt zu einer Entdeckungsreise ins historische Kieler Lessingbad ein: Studierende und Ehemalige präsentieren Kunst-Projekte rund um den menschlichen Körper. Über 40 skulpturale, performative, filmische, malerische und grafische Arbeiten werden im 1. Stock des Schwimmbades zu sehen sein. Damit wird ein thematischer Viel-Klang u. a. aus Menschenbild und Körper, Ängsten und Sehnsüchten, auf Fragen der Gewalt und der Medizin, auf die körperliche Endlichkeit und Empfindsamkeit, auf die Entkörperlichung des Menschen im virtuellen Räumen erzeugt. Im Zentrum der Ausstellung, im großen Schwimmbecken, wird Hendrik Lörpers raumgreifende Installation zu sehen sein.

Die gesamte Ausstellungsarchitektur wurde von Studierenden der Raumstrategien entworfen.

Die Muthesius Kunsthochschule ist bis heute die einzige Kunsthochschule Deutschlands, die Mitglied zweier Exzellenzcluster („Inflammation at Interfaces“ und „Future Ocean“) ist. In „Körpersichten“ zeigt sie, wie intensiv diese Herausforderung vom künstlerischen Nachwuchs aufgegriffen wird.

Im Nichtschimmerbecken eröffnete ein Diskussions- und Diskursforum und führte so die zahlreichen Initiativen der Muthesius Kunsthochschule fort, das Lessingbad zu einem Ort vielfältiger Aktivitäten für die Öffentlichkeit zu etablieren.

Zur Finissage am 24.06.2011 um 16 Uhr im Nichtschwimmerbecken wird der Wilhelm-Bitter-Preis der gleichnamigen Stiftung an drei der ausstellenden Künstler und Designer der Körpersichten-Ausstellung vergeben.

Mit dem 1. Preis, dotiert mit 1000 Euro, wird Sven Wied für seine Morphingportraits „Déca- lage“ ausgezeichnet. Der 2. Preis (500 Euro) geht an Sabine Dick für „Nomura“, ein Ensemble aus drei quallenartigen Skulpturen, zusammengenäht aus endoskopischen Aufnahmen
der Milz. Über den 3. Platz (300 Euro) freuen sich Yunmi Byun mit ihrer keramischen Arbeit „Schmerzenslager“ und Aylin Serbay für ihren Film „Knetentzündung“, einer filmischen Animation, die das Entstehen der Entzündung erklärt.

Die Jury setzt sich zusammen aus den Künstlern Chili Seitz (Masterstudierende an der Muthesius Kunsthochschule) und Patrick Wagner (Absolvent der Freien Kunst), den Designern Prof. Detlef Rhein und Prof.in Dr. Bettina Möllring sowie dem Mediziner Prof. Dr. Florian Krug und Dr. Inge Schröder vom Wissenschaftszentrum Kiel.

20.06.2011

Multimediale Fotografie / Technisches Bild

Bevor wir zum Schwerpunkt der Fotografie kommen, dazu also, wodurch sich die Lehre in Kiel von der anderer Hochschulen unterscheidet, soll herausgestellt werden, dass sie auf der Tradition des Mediums basiert. In den ersten Semestern werden die Studierenden deshalb mit analoger Technik vertraut gemacht. Darunter fallen etwa der Umgang mit Kameras, vor allem solcher, die in ihren Leistungen von der digitalen Fotografie noch nicht zu ersetzen sind, aber auch die Arbeit in s/w- und Farblaboren. Mit den technischen Übungen sind Aufgaben in inszenierter und narrativer Fotografie verbunden. Bei ihrer Umsetzung gehen die Studierenden von der sichtbaren Realität vor der Kamera aus, so wie das für mehr als 150 Jahre in der Fotografie selbstverständlich und unumgänglich war. Geschichtsunterricht führt ihnen darüber hinaus den Gebrauch des Mediums in dieser Zeit vor Augen und macht zudem auf herausragende Einzelleistungen aufmerksam.

Auf der Grundlage des Digitalen wächst die Fotografie derzeit mit anderen Medien zusammen. Mit Fotoapparaten kann man, um ein Beispiel zu nennen, heute auch Videoaufnahmen produzieren. Dazu kommen die Programme, die nicht in die Kameras integriert sind, für die man Computer braucht und Rechenkapazität. Fotografien lassen sich dort beliebig verändern. Man kann sie beispielsweise miteinander kombinieren oder in ihnen Effekte erzeugen, die bisher nur aus Malerei und Grafik bekannt sind. Fotografische Informationen können bereits in die dritte Dimension hinein gerechnet werden, und die auf diese Weise entstandenen virtuellen Körper lassen sich als Plastiken ausgeben. Ganz offensichtlich ist das Medium Teil eines expandierenden Medienkomplexes geworden. An dieser Stelle führen wir den Begriff des Technischen Bildes ein. Er umfasst alles Bildliche, das im Kontext von Apparaten und Programmen möglich ist, somit eben auch die Fotografie. Das Technische Bild ist nicht mehr, wie noch die analoge Fotografie, in der physischen Welt verankert. Es kann sich dort bedienen, bietet aber eben auch den Zugang zur Virtualität, zu Simulation und Animation.

An der Muthesius Kunsthochschule versuchen wir die Entwicklungen des Technischen Bildes kritisch zu begleiten, in den Konsequenzen zu verstehen und mitzugestalten. Das ist es, was wir als Schwerpunkt der Lehre bezeichnen möchten. Der medialen Expansion folgend, bieten wir Programmunterricht in Photoshop, Final-Cut und Cinema-4D an, stellen digitale Labore zur Verfügung, arbeiten mit einem 3D-Scanner und einer CAD gesteuerten Ausgabemöglichkeit. Nach wie vor fördern wir das Interesse am stehenden Bild, aber nun eben auch das an der filmischen Abfolge und an Ton und Text, die damit zu verbinden sind. Zudem unterstützen wir Projekte, die sich mit der virtuellen Realität und den Erscheinungen auseinander setzen, die möglich werden, weil die Welten durchlässig sind, ineinander übergehen können. Die Wahl der Themen liegt in der Hand der Studierenden. Sie erforschen sich und ihr Verhältnis zu den Welten und geben dem in ihren Arbeiten Ausdruck.

Fragen?

Prof. Peter Hendricks
0431 – 5198-435, hendricks@muthesius.de