Fotografie Master
Modul 1 – Projekt 1 / Modul 6 – Projekt 2 / Modul 7 – Projekt 3

Lehrender: Prof. Peter Hendricks
Zeit: Mittwoch 14:00
Veranstaltungsbeginn: 09.04.2014
Ort / Raum: Fotoseminarraum L.00.02
Semester: SoSe 2014

PROJEKTARBEIT MASTER

 

Themen werden im Masterstudium nicht mehr vorge- geben, die Wahl bleibt den Studierenden überlassen. Sie entscheiden auch darüber, wie viel Zeit sie inves- tieren wollen. Semesterübergreifende Arbeiten sind jederzeit möglich. Bei der Wahl der Themen gibt es so etwas wie äußere Bedingungen, einen Rahmen, durch den die Wahl gelenkt wird. Dazu dienen die Adjekti- ve persönlich, erkenntnisorientiert und medienrefle- xiv, mit denen sich jede Arbeit vom Konzept bis zum Ergebnis beschreiben lassen soll. Persönlich besagt, dass nicht in Aufträgen für Kunden gedacht wird, sondern eine individuelle Sicht oder ein individuelles Verhältnis zur Welt ausgedrückt wird. Erkenntniso- rientiert bezeichnet einen wenn nicht gar den Zweck der Unternehmung, und medienreflexiv deutet darauf hin, dass die Bedingungen des Mediums mitgedacht und gegebenenfalls auch kommuniziert werden.

Der Unterricht aller Semester findet gemeinsam statt. Mehrmediales Arbeiten wird empfohlen, aber nicht vorschrieben. Mehrere Gründe sprechen dafür: Das Mehrmediale steigert die Ausdrucksmöglichkeiten, kommt der Medienkritik entgegen und entspricht den technischen Entwicklungen des Mediums. Entspre- chende Lösungen können der Fotofilm, der Fotoro- man, der Text-Bild-Essay, aber auch Kombinationen von handwerklichem und apparativem Bild, von Bild und Ton sein, um nur einige Beispiele zu nennen.

Multimediale Fotografie / Technisches Bild

Bevor wir zum Schwerpunkt der Fotografie kommen, dazu also, wodurch sich die Lehre in Kiel von der anderer Hochschulen unterscheidet, soll herausgestellt werden, dass sie auf der Tradition des Mediums basiert. In den ersten Semestern werden die Studierenden deshalb mit analoger Technik vertraut gemacht. Darunter fallen etwa der Umgang mit Kameras, vor allem solcher, die in ihren Leistungen von der digitalen Fotografie noch nicht zu ersetzen sind, aber auch die Arbeit in s/w- und Farblaboren. Mit den technischen Übungen sind Aufgaben in inszenierter und narrativer Fotografie verbunden. Bei ihrer Umsetzung gehen die Studierenden von der sichtbaren Realität vor der Kamera aus, so wie das für mehr als 150 Jahre in der Fotografie selbstverständlich und unumgänglich war. Geschichtsunterricht führt ihnen darüber hinaus den Gebrauch des Mediums in dieser Zeit vor Augen und macht zudem auf herausragende Einzelleistungen aufmerksam.

Auf der Grundlage des Digitalen wächst die Fotografie derzeit mit anderen Medien zusammen. Mit Fotoapparaten kann man, um ein Beispiel zu nennen, heute auch Videoaufnahmen produzieren. Dazu kommen die Programme, die nicht in die Kameras integriert sind, für die man Computer braucht und Rechenkapazität. Fotografien lassen sich dort beliebig verändern. Man kann sie beispielsweise miteinander kombinieren oder in ihnen Effekte erzeugen, die bisher nur aus Malerei und Grafik bekannt sind. Fotografische Informationen können bereits in die dritte Dimension hinein gerechnet werden, und die auf diese Weise entstandenen virtuellen Körper lassen sich als Plastiken ausgeben. Ganz offensichtlich ist das Medium Teil eines expandierenden Medienkomplexes geworden. An dieser Stelle führen wir den Begriff des Technischen Bildes ein. Er umfasst alles Bildliche, das im Kontext von Apparaten und Programmen möglich ist, somit eben auch die Fotografie. Das Technische Bild ist nicht mehr, wie noch die analoge Fotografie, in der physischen Welt verankert. Es kann sich dort bedienen, bietet aber eben auch den Zugang zur Virtualität, zu Simulation und Animation.

An der Muthesius Kunsthochschule versuchen wir die Entwicklungen des Technischen Bildes kritisch zu begleiten, in den Konsequenzen zu verstehen und mitzugestalten. Das ist es, was wir als Schwerpunkt der Lehre bezeichnen möchten. Der medialen Expansion folgend, bieten wir Programmunterricht in Photoshop, Final-Cut und Cinema-4D an, stellen digitale Labore zur Verfügung, arbeiten mit einem 3D-Scanner und einer CAD gesteuerten Ausgabemöglichkeit. Nach wie vor fördern wir das Interesse am stehenden Bild, aber nun eben auch das an der filmischen Abfolge und an Ton und Text, die damit zu verbinden sind. Zudem unterstützen wir Projekte, die sich mit der virtuellen Realität und den Erscheinungen auseinander setzen, die möglich werden, weil die Welten durchlässig sind, ineinander übergehen können. Die Wahl der Themen liegt in der Hand der Studierenden. Sie erforschen sich und ihr Verhältnis zu den Welten und geben dem in ihren Arbeiten Ausdruck.

Fragen?

Prof. Peter Hendricks
0431 – 5198-435, hendricks@muthesius.de