HENDRICKS ZEIGT POSTFOTOGRAFIE 05/12/2013 – 05/01/2014

Die Geschichte, die Hendricks in seinen Bildern erzählt, handelt von den Umbrüchen, die der Digitalität in unserer Welt und in unserem Dasein folgen. Er nutzt das Mittel der Überarbeitung, um sein Thema zu fassen, nimmt eigene Fotografien aus der vordigitalen Zeit, bearbeitet sie digital und vollzieht an ihnen so die Fusion von virtueller und physischer Welt auf der Ebene des Bildes nach. Seit jeher hat die Überarbeitung dazu gedient, Autor und Arbeit in ein lebendiges Verhältnis zu setzen, seine Autorität und ihren Wert zu verzeitlichen. Augenfällig wird, wie viel Einfluss das Bild gewonnen hat und wie viel Autorität der Autor aufzugeben bereit ist, um davon zu berichten. Augenfällig wird auch, dass nur eine digitale Bildsprache das digitalbasierte Geschehen repräsentieren kann und dass Hendricks, trotz aller Bedingungen des Programms, in der Lage ist, in den Bildern Vergleiche anzustellen, die die Tragweite des Wandels vorstellbar machen.

Der Begriff Postfotografie macht zunächst deutlich, dass in der Digitalität nicht mehr gesichert angenommen werden kann, Fotografien seien Abbilder sichtbarer Ereignisse. In der Digitalität hat die überwiegende Mehrzahl der Bilder ein fotorealistisches Äußeres, unabhängig davon, ob es Fotografien sind oder nicht. Darüber hinaus berücksichtigt der Begriff auch jene Bilder, die auf fotografischen Aufnahmen fußen, obwohl sie nicht danach aussehen. Allgemein besagt der Begriff, dass digitale Bilder in keinem gesicherten Verhältnis mehr zu einer bestimmten Produktionsweise stehen und ihnen im Zweifel unterschiedliche, oft unvereinbare Bedeutungen folgen können.

Eröffnung: 05. Dezember 2013, 19.00 Uhr, in der Galerie Heinzi und Struss, Ringstraße 19, 24114 Kiel

Öffnungszeiten: 07./ 08. und 14./ 15. Dezember von 10.00 – 18.00 Uhr, sowie bis zum 05. Januar nach Vereinbarung

05/12/2013 – 05/01/2014

Ausstellung in der Galerie
 Heinzi und Struss – 
Gallerie für Fotografie und technische Bilder

 


Ort: Galerie
 Heinzi und Struss; Ringstraße 19, 24114 Kiel
Datum: Donnerstag, 05.12.2013 – Sonntag, 05.01.2014
Zeit: 00:00 – 00:00
05.12.2013

Multimediale Fotografie / Technisches Bild

Bevor wir zum Schwerpunkt der Fotografie kommen, dazu also, wodurch sich die Lehre in Kiel von der anderer Hochschulen unterscheidet, soll herausgestellt werden, dass sie auf der Tradition des Mediums basiert. In den ersten Semestern werden die Studierenden deshalb mit analoger Technik vertraut gemacht. Darunter fallen etwa der Umgang mit Kameras, vor allem solcher, die in ihren Leistungen von der digitalen Fotografie noch nicht zu ersetzen sind, aber auch die Arbeit in s/w- und Farblaboren. Mit den technischen Übungen sind Aufgaben in inszenierter und narrativer Fotografie verbunden. Bei ihrer Umsetzung gehen die Studierenden von der sichtbaren Realität vor der Kamera aus, so wie das für mehr als 150 Jahre in der Fotografie selbstverständlich und unumgänglich war. Geschichtsunterricht führt ihnen darüber hinaus den Gebrauch des Mediums in dieser Zeit vor Augen und macht zudem auf herausragende Einzelleistungen aufmerksam.

Auf der Grundlage des Digitalen wächst die Fotografie derzeit mit anderen Medien zusammen. Mit Fotoapparaten kann man, um ein Beispiel zu nennen, heute auch Videoaufnahmen produzieren. Dazu kommen die Programme, die nicht in die Kameras integriert sind, für die man Computer braucht und Rechenkapazität. Fotografien lassen sich dort beliebig verändern. Man kann sie beispielsweise miteinander kombinieren oder in ihnen Effekte erzeugen, die bisher nur aus Malerei und Grafik bekannt sind. Fotografische Informationen können bereits in die dritte Dimension hinein gerechnet werden, und die auf diese Weise entstandenen virtuellen Körper lassen sich als Plastiken ausgeben. Ganz offensichtlich ist das Medium Teil eines expandierenden Medienkomplexes geworden. An dieser Stelle führen wir den Begriff des Technischen Bildes ein. Er umfasst alles Bildliche, das im Kontext von Apparaten und Programmen möglich ist, somit eben auch die Fotografie. Das Technische Bild ist nicht mehr, wie noch die analoge Fotografie, in der physischen Welt verankert. Es kann sich dort bedienen, bietet aber eben auch den Zugang zur Virtualität, zu Simulation und Animation.

An der Muthesius Kunsthochschule versuchen wir die Entwicklungen des Technischen Bildes kritisch zu begleiten, in den Konsequenzen zu verstehen und mitzugestalten. Das ist es, was wir als Schwerpunkt der Lehre bezeichnen möchten. Der medialen Expansion folgend, bieten wir Programmunterricht in Photoshop, Final-Cut und Cinema-4D an, stellen digitale Labore zur Verfügung, arbeiten mit einem 3D-Scanner und einer CAD gesteuerten Ausgabemöglichkeit. Nach wie vor fördern wir das Interesse am stehenden Bild, aber nun eben auch das an der filmischen Abfolge und an Ton und Text, die damit zu verbinden sind. Zudem unterstützen wir Projekte, die sich mit der virtuellen Realität und den Erscheinungen auseinander setzen, die möglich werden, weil die Welten durchlässig sind, ineinander übergehen können. Die Wahl der Themen liegt in der Hand der Studierenden. Sie erforschen sich und ihr Verhältnis zu den Welten und geben dem in ihren Arbeiten Ausdruck.

Fragen?

Prof. Peter Hendricks
0431 – 5198-435, hendricks@muthesius.de